SEO für Einsteiger – Veranstaltung der BIEG Hessen / IHK Frankfurt

Vergangene Woche habe ich die Zeit gefunden und mir eine Veranstaltung der IHK Frankfurt gemeinsam mit der BIEG Hessen zu Gemüte geführt. Das Thema „Suchmaschinenoptimierung: Trends, Strategien, Werkzeuge“ fand ich natürlich hochinteressant, auch wenn ich für mich persönlich nicht besonders viele neuen Erkenntnisse erwartet hatte. Aber das war auch nicht meine Intention. Viel mehr wollte ich wissen, wo der Schuh in Sachen SEO bei KMUs (Zielgruppe der Veranstaltung) drückt und wie das von der IHK thematisch aufgegriffen und präsentiert wird.

Für den Preis von 30 Euro – wirklich nicht die Welt – fanden sich an dem Nachmittag gut 100 Zuhörer mit unterschiedlichem Wissensstand ein. Also alles vorhanden von Ein-Mann-Website-Bastlern, die von Suchmaschinenoptimierung nur wissen, dass es irgendwie wichtig ist, bis hin zu Internet-Agenturen, die vermutlich aus ähnlichem Antrieb wie ich da waren und schon einiges an Erfahrungen in Sachen SEO aufweisen können. Adressaten waren natürlich in erster Linie Einsteiger oder einfach nur Interessierte zum Thema Suchmaschinenoptimierung, die das Gehörte und vielleicht Gelernte für sich selbst umsetzen wollen.

Der Vortragende der BIEG, Andreas Köninger, nach eigener Aussage bereits mit 10 Jahren Erfahrung im Bereich Onlinemarketing und ebenso lange Referent für das BIEG Hessen, präsentierte sich kurzweilig, war angenehm zuzuhören und bezog das zuhörende Publikum im richtigen Maße mit ein. Auch Entertainment-Einlagen fehlten nicht. Die etwa dreieinhalb Stunden (inkl. Pause) waren zu keiner Zeit langatmig oder gar einschläfernd (auch wenn ich aufgrund des langen Wochenendes zuvor nicht mehr ganz fit war…).

Viele Fachbegriffe, wenig Erklärungen

In der Kürze der Zeit – ja, knapp dreieinhalb Stunden sind für das Thema natürlich zu kurz – kann natürlich nicht in aller Tiefe auf die verschiedenen Facetten der Suchmaschinenoptimierung eingegangen werden. Aber es ist trotzdem genug Raum gegeben, um auf die SEO Basics einzugehen, die gerade für Einsteiger genug Stoff bieten sollten, schon erste kleine Verbesserungen an der eigenen Website vorzunehmen, die sich bereits auf das Ranking in den Suchmaschinen positiv auswirken sollten.

Das Publikum wurde allerdings mit Schlagworten und Fachbegriffen wie „Duplikate Content“, „Content is King“, „Social Media“, „G+“ zu sehr alleine gelassen. In der Einführung des Vortrages wurde damit auf alles und auch wiederum auf nichts eingegangen. Der Hinweis, dass Google laufend etwas verändert, wie aktuell durch den „Pinguin-Algorithmus“  (ohne im Detail darauf einzugehen, was das eigentlich bedeutet…) und SEO daher immer auf dem aktuellen Stand sein muss, wurde mit über den Beamer an die Wand projizierte PowerPoint-Charts untermauert, die von 2010 waren. Das schien aber niemanden sonderlich zu stören.

Fokus und Checkliste

Nicht schlecht fand ich, gerade für Einsteiger, die Vorstellung der strategischen Herangehensweise. Auch wenn die „Trackinganalyse“, immerhin ein so vorgestellter „wesentlicher Bestandteil der SEO“, aus Zuhörersicht leider viel zu kurz kam. Ich weiß jetzt z.B. gar nicht mehr aus dem Stehgreif, ob der Begriff und die dafür gebräuchlichen Werkzeuge überhaupt näher erklärt wurden. 

Die Gedanken der SEO-Fokussierung – nämlich Ausrichtung nach Zielgruppen und Geographie – was oftmals in der Praxis bei Laien zu kurz kommt, wurden gut visuell dargestellt und erklärt. Aber auch die Kommunikation mit der Agentur, insbesondere die Überprüfung der Agentur-Leistungen – denn gerade in der SEO-Branche gibt es leider zu viele schwarze Schafe, sei es absichtlich, sei es aufgrund mangelnder Kompetenz, für die ärgerlicherweise schon so mancher viel zu viel Lehrgeld lassen musste – wurde anhand einer kurzen Checkliste näher gebracht. In der Praxis sind dafür entsprechende Programme hilfreich, die der Umsetzung und Kontrolle der Optimierungsmaßnahmen dienen.

Vorstellung einiger nützlichen Helfer

Damit ging es an die Vorstellung von Tools, die einem Webmaster hinsichtlich SEO das Leben erleichtern sollen, aber auch Maßnahmen messbar machen. Dabei wurden kostenlose wie auch kostenpflichtige webbasierte Tools vorgestellt. Die wichtigen Google Tools wie die Webmaster Tools oder Analytics, das – wie zuvor beim Vortrag betont – sicherlich ganz nützlich ist, wenn man den Erfolg von Maßnahmen für die eigene Website messen will, wurden erwähnt, aber nicht weiter anhand von Praxis-Beispielen vorgestellt. Der Grund, es sollten aus Gründen der Diskretion keine sensiblen Kundendaten gezeigt werden. Klar, absolut nachvollziehbar. Aber, wofür gibt es eigene Projekte, um diese z.B. zur Veranschaulichung der entsprechenden Tools bei solchen Veranstaltungen einzusetzen?

Jede Agentur, die ernsthaft Online-Marketing ausübt, hat diverse eigene Projekte laufen, die man quasi unter „Laborbedingungen“ beliebig testen, einsetzen und als Anschauungsmaterial in Workshops und Seminaren auch vorstellen kann. Das macht gerade bei Vorstellung von Werkzeugen Sinn, wie eben den Google oder anderen webbasierten Tools.

Nebenbei untermauert es die Glaubwürdigkeit des Gesagten, wenn anhand von Projekt-Erfahrungen argumentiert wird. Denn ebenfalls auffällig waren einige Behauptungen und auch Zahlen, die eben nicht mit eigenen Projekten oder aktuellen Datenmaterial  unterstützt wurden. In diesem Zusammenhang ist mir beispielsweise ein Chart hängengeblieben, dass SEO „früher“ von der Bedeutung Onpage 80 % und Offpage-Optimierung 20 % war. Heute genau umgekehrt. Weshalb wurde mit dem Aufkommen von Social Media erklärt. Hier insbesondere die besondere Bedeutung von Google+. Punkt. Der in der Einführung erwähnte „Pinguin“-Update durch Google, war dann auch kein Thema mehr, obwohl dieser durchaus die behauptete Gewichtung von On- und Offpage (20 zu 80%) für die Zukunft in Frage stellen könnte. Aber das ist dann wiederum eher eine Diskussion für Profis, die bei einer solchen Veranstaltung zu weit führen würde.

Aus dem selben Grund – nämlich keine Offenlegung von Kundendaten – wurden dann auch die anderen verbal und per PowerPoint vorgestellten SEO-Tools, nicht in der praktischen Anwendung gezeigt. Gerade bei SISTRIX, das selbst vom Vortragenden genutzt und daher empfohlen wurde, wäre bestimmt ein etwas tieferer Blick hinein auch für SEO-Laien ganz spannend gewesen…

Den kleinen Tipp, einfach mit mehreren Mail-Accounts die jeweilige Kostenlos-Phase dieser Tools quasi ins Unendliche zu verlängern, lasse ich mal aus Respekt vor den SEO-Tool-Anbietern unkommentiert. Außerdem bin ich mir nicht mal sicher, ob das so einfach möglich ist…

Die W3C konforme Website

Gefühlt die Hälfte der Zeit wurde irgendwie mit W3C und Sitereport-Tools experimentiert, was aber keine Ergebnisse brachte, weil vermutlich die Firewall-Einstellungen der IHK etwas dagegen hatten.

Gut, halb so wild, denn offenbar wurde W3C eher als Entertain-Einlage in den Vortrag eingebaut. In der an die Wand geworfenen PowerPoint-Präsentation, fand es nämlich keinerlei Erwähnung. Dumm nur, dass leider viel zu viel Zeit der Veranstaltung da rein investiert wurde. Ob und wie W3C  für SEO entscheidend ist, möchte ich, anders als Herr Köninger, mal als rein SEO philosophisch im Raum stehen lassen. Denn ich sehe das erfahrungsgemäß als nicht kriegsentscheidend an, wenn die Webseiten grundsätzlich lesbar sind (für User und Google-Bot) und eine gute Performance haben (Ladezeiten sollten nicht unterschätzt werden!), muss nicht alles mega konform sein, um ein gutes Ranking zu erhalten.  Aber es darf da gerne unterschiedliche Meinungen geben. Und die gibt es auch in der SEO-Welt.

Bei der Veranstaltung wurde also zumindest die W3C Konformität als eine wichtige Säule des Onpage-SEOs verstanden ohne deren Beachtung ein gutes Ranking praktisch unmöglich sei (wie sich das mit der zuvor erwähnten 20-80% vereinbart, lass ich mal dahingestellt). Aber natürlich – und jetzt zum Unterhaltungs-Part – lässt sich der W3C-Check wunderbar einsetzen, um Qualität und Kompetenz der eigenen Webdesigner oder Internet-Agentur zu überprüfen und die „Herrschaften“ zum „Schwitzen“ zu bringen. „Achten Sie darauf, ob die eine Erklärung haben oder nicht!“, so der gut gemeinte Ratschlag in das Publikum.

Tja, was gibt es schöneres, als dem Webdesigner oder der Agentur eine unter http://validator.w3.org automatisch generierte Auswertung unter die Nase zu halten, die ausweist, dass die Website irgendwelche Fehler hat. Ist dann auch völlig egal, dass die Fehler vielleicht aus Gründen der allgemeinen Browser-Kompatibilität oder schlicht aus Kunden-Wünschen resultieren (Scripte, Animationen, Layout etc.). Ich wiederum wünsche den Agenturen und Webdesignern viel Spaß bei der Diskussion mit durch solche Veranstaltungen aufgebrachten Kunden… ;)

Backlinkaufbau für die eigene Website

Wie oben erwähnt, reden wir hier von einer 80%-Gewichtung beim SEO. Also musste das selbstverständlich auch ein Thema, wenn nicht sogar der eigentliche Schwerpunkt der Veranstaltung sein. Aber, oh Schreck, hier wurde doch tatsächlich noch die Bedeutung vom Google Pagerank beim SEO hervorgehoben! Ok, auch hier gibt es immer noch hartnäckig unterschiedliche Meinungen. Ich verweise dann meist auf ein mittlerweile auch schon über drei Jahre altes Video von Christoph Cemper aus Wien, ein nicht gerade unbekannter Name innerhalb der deutschsprachigen SEO-Szene: Video zum Thema Pagerank auf YouToube.
Möge jeder selbst seine für sich selbst genehme Meinung daraus gewinnen…

Schon einem halbwegs bewanderten SEO-Praktikanten wäre also da bereits die Luft weggeblieben. Spätestens aber bei der Empfehlung, wenn man z.B. schon eine PR 3 Seite hat, solle man doch bitte darauf achten nur Backlinks von besseren PR-Seiten bekommen, also PR 4, 5, 6 oder 7 (…). Als I-Tüpfelchen kam dann noch gleich hinterher, dass wer selbst auf eine anderen Seite verlinkt – am besten von der Startseite – das natürlich nur  mit „Nofollow“ machen sollte. Bei einem solchen Resümee war selbst ich zu baff um nachzufragen, was das bitte mit einem natürlichen Linkaufbau oder sonst was gemeinsam haben könnte…  Denn welcher normalsterbliche Websitebetreiber operiert denn bitte mit Nofollow oder Dofollow – über das doch da draußen in der Wildnis kaum Kenntnisse vorhanden sind – wenn ein Link irgendwohin gesetzt wird? Am ehesten doch die SEOs? Oder die Referendare der BIEG? Und die bauen Links, wenn der gesunde Menschenverstand nicht vorausgesetzt ist – am allerwenigsten natürlich. Zumindest dann, wenn diese Empfehlungen beherzigt werden würden. Natürlich hat der Nofollow-Tag eine Bedeutung. Gerade aus der Historie heraus, um damit z.B. Spamkommentare in Blogs zu verhindern. Aber der Ratschlag, dass man Links zu anderen Seiten immer auf Nofollow setzen sollte, damit keine Stärke verloren wird, ist für mich etwas befremdlich. 

Wenigstens wurde aber von Kauflinks eindringlich gewarnt. Denn diese werden ja aktuell alle von Google „abgeschlachtet“ (O-Ton). Dass es Kauflinks und Kauflinks gibt, war hier allerdings nicht das Thema. Dabei ist doch schon ein Eintrag in einem Branchenverzeichnis, ich nenne mal als Beispiel Anwalt.de, das eine jährliche Gebühr zur Folge hat, doch nüchtern betrachtet auch ein Kauflink? Oder? Die Frage meine ich ernst.

Der Hinweis auf DMOZ, dem Open Directory Project, durfte natürlich nicht fehlen, da ja Google – so wurde erklärt –  mehr oder weniger seinen Datenbestand darauf aufbaut. Wenn man die letzten 10 Jahre Google Weiterentwicklung schlichtweg ignoriert, mag das vielleicht sogar stimmen (das sage ich jetzt). Mag auch sein, dass das vielleicht so nicht gemeint war und auch nicht ernsthaft so gemeint sein konnte – aber es wurde von den Zuhörern so zumindest verstanden, weil DMOZ mal kurz als das „Google-Archiv“ hingestellt wurde.

Sicherlich gehört DMOZ im Rahmen eines Backlinkaufbaus dazu und wir nutzen das auch für unsere Kundenprojekte. Für ein gutes Ranking ist aber DMOZ nun wirklich kein Must have (mehr). Wer mir nicht glaubt, das sagt Google selbst… (). Aber es passte nun mal wunderbar zu den ganzen Weisheiten, die an diesem Nachmittag zum Besten gegeben wurden. Leider passen diese halt nicht mehr in das Jahr 2012.

Noch eine Anmerkung von mir: Wie oder welche Backlinks aufgebaut werden sollten / können – ist übrigens meist die allererste und wichtigste Frage, die wir von unseren Kunden gestellt bekommen. Eine Frage, der ich bei dieser Veranstaltung eigentlich auch mehr Bedeutung zugetraut hatte. Aber wenn man von DMOZ, Google+ und dem unsterblichen Pagerank-Mythos absieht, war das Thema durch. Nur wer aufmerksam genug war, konnte etwas von einem PowerPoint-Chart erhaschen, das kaum eine Minute an die Wand projiziert wurde. Dort befanden sich dann nicht näher erklärte „Verifizierung von Verzeichnissen“ (ich weiß spontan nicht, was damit gemeint ist…), „Online PR“, „Link Bait (Viral)“, „Link Kampagnen“ und „Social“ (als Beispiel Twitter, Facebook, Xing und LindedIn). Mit dem Hinweis, dass der Aufbau von Backlinks  „sehr mühsam aber am wichtigsten für das Google-Ranking“ sei, war das Thema dann auch schon in relativ kurzer Zeit abgehandelt…

Website-Check

Ab jetzt konnten die Anwesenden auf Wunsch Ihre Website-URL nennen, um diese einem Kurzcheck auszusetzen. Gerade bei der Website-Analyse – also den für die Zuhörer bestimmt spannenden Fallbeispielen – wurden aus meiner Sicht aber große Chancen vertan. Es waren Websites dabei, die hervorragende als Stichwortgeber geeignet gewesen wären. Ich mache das mal am Beispiel footage-online.de fest. Der Website-Betreiber möge mir das verzeihen, aber so gibt es immerhin einen Backlink und vielleicht auch noch einen gratis Tipp obendrauf. Nun, ich weiß gar nicht mehr weshalb, aber „footage-online.de“ wurde als Suchbegriff in Google eingegeben. Und, was soll ich sagen, das Erstaunen im Saal war natürlich entsprechend groß, als die zu testende Website dann auch prompt Platz 1 unter eben diesem Suchbegriff einnahm.  

Moniert wurde dann aber, dass ausgerechnet der Presse-Bereich in der Trefferliste am besten gelistet ist. Ohne allerdings weiter darauf einzugehen. Hier hätte doch beispielhaft das „Content is King“ nochmal erklärt werden können? Denn die Presseseiten sind inhaltlich – also textlich – der stärkste Bereich der Seiten, die Google lesen und damit auswerten kann. Also sollte das doch eigentlich nicht verwundern? Denke ich. Also auf den anderen Seiten etwas mehr Text, alternativ weitere Seiten mit Text, die das Geschäftsmodell erklären, damit dann auch der Suchende über Google, wie der Besucher der Seiten, erfassen kann, um was es eigentlich geht. Dass YouTube die zweitgrößte Suchmaschine nach Google ist – wer weiß das? – und damit hervorragend geeignet wäre für diese Seiten, die nun mal Videos verkaufen (…) hätte auch gleich mal schön thematisiert werden können. Wurde zwar angesprochen, zumal laut Seitenbetreiber YouTube überhaupt nicht genutzt wird (man will es wirklich nicht glauben!), aber leider viel zu oberflächlich, quasi en passant… Das zu Zeiten, wo die Bedeutung von Videos im Web kaum noch im Online-Marketing wegzudenken ist!

Bedeutung der Metatags

Bei einer anderen Seite (ich komme nicht mehr auf die URL) wurden der Quelltext, genauer die Metatags unter die Lupe genommen. Dabei, es musste ja kommen (…), wurde die besondere Bedeutung der Meta-Keywords hervorgehoben und – aufpassen! – der Geo-Tag als das A und O der Suchmaschinenoptimierung angepriesen. Dass Meta-Keywords keinerlei Bedeutung mehr haben, oder überhaupt jemals für Google gehabt hatten, ist auch schon längst kein Geheimnis mehr. Den Keyword-Tag kann man ja meinetwegen nutzen, um den Wettbewerb darauf aufmerksam zu machen, mit welchen Begriffen man gerne gefunden werden will. Für ein gutes Ranking ist der Tag aber schlichtweg ohne jegliche Bedeutung.

Der Geo-Tag hat vermutlich auch keinen sonderlichen Sinn. Google liest die auf den Webseiten angegebene Adresse(n) aus. Wer trotzdem den Tag einsetzen will, kann das gerne machen. Er schadet ja nicht. Aber wer lokales SEO betreibt, sollte sich ganz schnell mit Google Places befassen. Das ist mit Sicherheit ergiebiger. Gerade auch hinsichtlich der mobilen Zukunft. Ich weiß nicht mal mehr, ob Google Places beim Vortrag überhaupt erwähnt wurde. Falls ja, habe ich die Minute wohl nicht aufgepasst. In der PowerPoint-Präsentation ist es jedenfalls aufgeführt gewesen.

Die Bedeutung der Description dagegen – gerade hinsichtlich der CTR („Click-Through-Rate„: Klickrate) – wurde einfach mal komplett ignoriert. Dabei wäre das in 1-2 Sätzen schnell plakativ zu erklären gewesen, wie man mit einer guten Description für Auffallen in den Suchergebnissen sorgen und damit die Klickrate erhöhen kann. Für SEO- bzw. Internet-Marketing-Einsteiger sicherlich ein ganz wichtiges Thema. Nicht aber bei dieser Veranstaltung.

Wenigstens der Title-Tag wurde nochmal als wichtig erwähnt. Es blieb aber bei der Empfehlung „maximal 40 Zeichen“. Die genaue Bedeutung dieses Tags für SEO – der Title ist immerhin absolut relevant für Google! – und wie dieser am besten verwendet werden soll, wurde dem Publikum leider nicht näher gebracht. Somit bleibt uns auch in Zukunft das „Willkommen“ im Title-Tag auf vielen Websites erhalten… Immerhin.

Nachbarschaft auf dem Server

Auch ein Thema beim Website-Check, das ich übrigens schon seit Jahren predige! Wenn man seinen Webauftritt ernst nimmt und auch von Google ernstgenommen werden möchte, sollte auf das Hosting der Website ein Augenmerk gesetzt werden! Geiz ist beim Server-Hosting nämlich überhaupt nicht geil. Wer meint für ein paar wenige Euros seine Seiten, mit denen man oft Kunden gewinnen und Geld verdienen will, irgendwo billig zu hosten, sollte sich nicht wundern im Zweifel auf der Stelle stehen zu bleiben. Wenn die IP-Adresse der eigenen Seiten mit einigen hundert anderer Seiten geteilt wird, die dann auch noch vom Thema fernab der eigenen Seiten liegen und nebenbei auch mal die Server-Performance runterziehen, zeigt nach Google-Selbstverständlich nicht die notwendige Wertschätzung gegenüber der eigenen Homepage. Weshalb sollte diese also Google haben und solchen Seiten eine besondere oder sogar bessere Relevanz zuteil kommen lassen, als Websites des Wettbewerbs, die im Zweifel sauber auf einem eigenen Server und unter einer eigenen IP gehostet werden? Kostet ein wenig mehr. Ok. Soll sich jeder selbst fragen, welchen Wert man dem eigenen Internet-Auftritt beimessen möchte und grundsätzlich die Verhältnismäßigkeit überprüfen.

Um zu schauen, ob und welche Nachbarschaft eine Homepage unter der IP-Adresse hat, wurde Domaintools empfohlen. Dort werden allerdings in der kostenlosen Version nur drei von bis zu zigtausend Nachbarn angezeigt. Keine Frage, wer mehr wissen will, soll halt die 49 US-Dollar in die Hand zu nehmen, um den kompletten Report zu beziehen. So der Rat an das Auditorium. Kann man auch so machen.

Man kann aber auch kurz in Google reinschauen und komplett kostenfreie Tools mit der selben Funktion entdecken. Wie wäre es mit  evtl. diese Seite hier:  http://www.yougetsignal.com/tools/web-sites-on-web-server? Einfach mal testen.

Randnotizen

Blutige SEO-Anfänger, und davon waren doch einige da und natürlich auch die Haupt-Zielgruppe der Veranstaltung, waren meiner Meinung nach anhand der viel zu kurz beleuchteten Fachbegriffe und Maßnahmen, die oft nicht in der notwendigen Intensität erläutert wurden, sicherlich schnell überfordert. Trotz der im ersten Drittel vorgestellten Chekliste, waren am Ende immer noch zu viele Leute ratlos, wie sie am besten vorgehen sollten. Das bewies am Ende der Veranstaltung übrigens die Frage, was jetzt gerade für SEO-Einsteiger die wichtigsten Punkte wären, auf die man zusammenfassend achten sollte. Denn eigentlich genau das haben die Anwesenden ja von diesem Nachmittag erwartet präsentiert zu bekommen… Es wurde auf das Google SEO-E-Book verwiesen. Sicherlich nicht die schlechteste Empfehlung. Diese gibt es bei mir auch. Kostenlos als Link zum PDF

Ein besonderer Fall im Publikum war ein selbsternannter Internet-Marketing-Profi – zumindest laut der nicht zu übersehenden Headline seiner vorgestellten Website – der weder was mit Google-Analytics noch sonst mit dem kleinen Online-Marketing-Einmaleins auch nur irgendetwas anfangen konnte. Normalerweise ist es nicht meine Art darauf einzugehen, aber ich muss es erwähnen, weil mich so was doch bis hin zur Sprachlosigkeit erstaunt. Mein Mitleid für seine Kunden gibt es – auch hier gratis – dazu…

Fazit:

Sicherlich war es, und damit fange ich mit dem Positiven an, eine kurzweilige Präsentation mit einigen guten Ratschlägen für SEO-Laien. Die vorgestellten Maßnahmen waren allerdings zum Teil (gefährlich!) veraltet, viel zu kompliziert – einfach aus der Tatsache heraus, dass diese nicht entsprechend erklärt wurden – oder haben für ein halbwegs erfolgversprechendes SEO einfach keinerlei Bedeutung mehr. Dafür wurde sich mit Nebensächlichkeiten oder wie man seine Internet-Agentur „ärgern kann“ viel zu lange beschäftigt, ohne dass für den Zuhörer ein wirklich nützlicher Mehrwert zu erkennen war, wenn man vielleicht vom zweifelsfrei vorhandenen Unterhaltungsfaktor absieht.

Das Potential anhand von Beispiel-Websites in der Praxis aufzuzeigen, was es im SEO und Online-Marketing allgemein zu beachten gibt, wurde leider aus meiner Sicht fast komplett verschenkt. Entweder, weil auf augenscheinliche Auffälligkeiten nicht oder wenn, dann mit den falschen Schwerpunkten eingegangen wurde. Hinzu kam sicherlich auch, dass gar nicht mehr die notwendige Zeit für eine brauchbare Analyse vorhanden war. Zwei Stunden verständliche SEO Einführung  und vielleicht noch mal eine Stunde Websiteanalyse – auch unter Verwendung entsprechender Tools – wären vermutlich für alle Beteiligen nützlicher gewesen und hätte der Erwartungshaltung an dieser Veranstaltung auch eher entsprochen.

Mir liegt es fern eine solche Veranstaltung zu zerreißen, schon gar nicht dann, wenn diese zu einem solchen Preis angeboten wurde. Denn ähnliche Veranstaltungen übersteigen schnell und deutlich mehr als das Zehnfache des IHK-Preises. Aber fachlich war es aus meiner Sicht an vielen Stellen zu dünn, extrem veraltet oder schlichtweg falsch. Das erstaunt, da doch der vortragende Referent aus der Agenturen-Praxis kommt und zumindest halbwegs auf dem aktuellen Stand in Sachen SEO sein sollte.

Laien wird das natürlich nur schwer auffallen und für 30 Euro auf jeden Fall die ein oder andere Anregung wie auch Idee mit nach Hause nehmen, um sich in das Thema weiter vertiefen zu können. Investierte Zeit und Geld sind daher nicht unbedingt rausgeschmissen. Für SEO-Profis gab es dagegen nichts Neues – was auch wirklich nicht zu erwarten war – sondern eher ein befremdliches Erstaunen, welche teilweise abenteuerlichen SEO-Weisheiten über eine offizielle IHK-Veranstaltung so an Frau und Mann gebracht werden.

 

[social-bio]

12 Kommentare

  1. Seo kann nicht in 3 einhalb Stunden erklärt werden…da braucht man Tage und Wochen…

  2. Ne stimmt nicht. Ich würde sagen, man braucht Jahre um gut in diesem Bereich zu werden. Ein ganz wichtiger Punkt sind die Kontakte.

    1. Ich würde ehrlich gesagt sagen das Erfahrung das wichtigste ist, also einfach verschiedene Projekte.

  3. Sagen wir mal so. Ein solcher Workshop kann ein guter Einstieg sein. Natürlich geht wir überall nichts über praktische Erfahrung. Kein Workshop, keine Ausbildung, kein Studium der Welt kann die ersetzen.

  4. war wirklich sehr informativ. Klasse Veranstaltung

  5. Danke für den guten Artikel gefällt mir sehr, eins wollte ich fragen gibt es den gute Anbieter die Backlinks verkaufen? Bzw. Dienstleister?

    Sollte man sowas in Anspruch nehmen?

  6. Bin auch der Meinung das SEO mehr Zeit in Anspruch nimmt..

  7. SEO ist für die meisten Unternehmer leider nicht greifbar und zusätzlich kommt dazu, dass es ein wirkliches Geduldsspiel ist. Wenn die Arbeiten erst ein mal angefangen haben, dauert es nun mal bis zu ein paar Monaten, bis die ersten Ergebnisse sichtbar werden.
    Und ja, SEO ist ein sehr komplexes Thema und kann nicht in einem Workshop gelernt werden, sonder erfordert ein tiefes Studium der Materie.

  8. Da haben wir den Grund, warum man 99,99% aller Anbieter aus dem Fenster werfen kann. Als ob man die Geheimnisse des SEO für 30€ erwerben könnte. Meine Güte. Da erhält man höchstens das kleine Einmaleins, heiße Luft und jede Menge falsches Zeug.

  9. Einfach mitnehmen, dass man mit ein bisschen Insiderwissen meistens mehr weiß als 99,9 % der restlichen Welt. Und weiß, was die Konkurrenz (nicht) drauf hat. Dafür zahlen die Kunden schließlich, dass man sich mit der Materie auch auseinander setzt und nicht nur Basisworkshops der IHK besucht.

  10. Es ist wichtig, dass Einsteiger einen hochwertigen Einstieg in SEO erhalten. Je nach Dozent kann so ein Seminar empfehlenswert sein. Achten Sie in der entsprechenden Veranstaltungen auf typische Anzeichen von gefährlichem Halbwissen. Logisches Denken reicht häufig. Eine gute Vorbereitung kann das Lesen etablierter Speaker sein. Als Einstieg in SEO von Zuhause kann ich die Blogs von Dennis Tippe, Olaf Kopp und insbesondere den SEO Basic Artikel der SEOkratie empfehlen. Der fleißige Leser erreicht meist mehr als wer sich nur berieseln lässt. So schnell es geht in die Praxis und keine Angst vor technischen Hürden.

  11. Seo ist vor allem für Anfänger sehr Umfangreich und Kompliziert. Einige Basics bekommt man beigebracht, aber praktisch lernt man eine ganze Menge mehr. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich durch meine eigenen Fehler eine ganze Menge mehr lernen konnte.

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